TEOTIHUACAN – GEHEIMNISVOLLE PYRAMIDENSTADT


11 Feb 2010 [11:42h]     Bookmark and Share


TEOTIHUACAN – GEHEIMNISVOLLE PYRAMIDENSTADT

TEOTIHUACAN – GEHEIMNISVOLLE PYRAMIDENSTADT



Teotihuacan liegt rund 50 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt. Zwischen 200 und 650 n. Chr., bereits 1000 Jahre vor den Azteken, war sie eine kulturelle und wirtschaftliche Grossmacht. Einst die grösste Stadt im präkolumbischen Amerika gehört Teotihuacan mit seinen gewaltigen Pyramiden seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Zürich – Mit dieser grandiosen Sonderausstellung feiert Mexiko im Jahr 2010 das 200-Jahr-Jubiläum seiner Unabhängigkeit und den 100. Jahrestag der mexikanischen Revolution.

Im 1. Jahrtausend vor Christus lässt sich im Hochtal von Mexiko eine Konzentration der Bevölkerung in mehreren Zentren feststellen. Am imposantesten war dies in Teotihuacan: zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert, nahm die Stadt Einfluss auf ganz Mesoamerika.

Teotihuacan gehört zu den grössten Städten, die jemals im Alten Amerika erbaut wurden. Die Stadtanlage lässt eine einheitliche Planung erkennen und ist deutlicher Ausdruck einer zentralisierten Herrschaft: Eine 50 Meter breite Prozessionsstrasse, die «Strasse der Toten», bildet die Zentralachse der schachbrettartig angelegten Stadt. Sie verbindet die beiden gewaltigsten Bauwerke Mesoamerikas – die Pyramide der Sonne und die Pyramide des Mondes. Zahlreiche Tempel und Palastkomplexe flankieren diese Monumentalbauten: Malereien mit reichhaltiger Symbolik und kräftigen Farben wurden auf die fein polierten, noch feuchten Stuckwände aufgetragen.

Die verschiedenen Stadtteile waren in einzelne Wohnkomplexe untergliedert. Neben Vierteln, in denen sich bestimmte Handwerkszweige konzentrierten, gab es aber auch Quartiere, in denen Menschen aus anderen Gebieten Mexikos wohnten, die viel von ihrer heimatlichen Kultur beibehalten hatten.

Ein gut ausgebautes Handelsnetz, das Knüpfen wichtiger politischer Kontakte, aber auch kriegerische Übergriffe hatten zur Folge, dass Teotihuacan seinen Einflussbereich über das zentrale Hochland hinaus auf weite Gebiete Mesoamerikas ausweiten konnte. Der immense Reichtum der Stadt beruhte zu einem grossen Teil auf dem Handelsmonopol mit Obsidian. In der Nähe von Teotihuacan befinden sich die wichtigsten Obsidian-Vorkommen Mesoamerikas. In der Stadt selbst wurden Hunderte von Werkstätten entdeckt, in denen das vulkanische Gesteinsglas verarbeitet wurde. Wichtiges Exportgut war auch die  
prächtig dekorierte Keramik, besonders die zylindrischen Dreifussgefässe. Neben der regen Handels-tätigkeit, spielte wie bereits erwähnt auch das Kriegshandwerk eine Schlüsselrolle für den Erfolg der Stadt: Dank erfolgreicher Kriegszüge konnte Teotihuacan seine Machtsphäre bis in das Gebiet der Maya im Süden Mexikos ausweiten; ein grosser Teil des Reichtums dürfte demnach aus massiven Tributzahlungen bestanden haben.
 

Die Blütezeit von Teotihuacan währte über 500 Jahre. Im 7. Jahrhundert kam es zu einer verheerenden Brandkatastrophe, die den Niedergang einleitete. Zur Zeit der Azteken, im 15. und 16. Jahrhundert, lag die Stadt schon seit fast tausend Jahren in Trümmern. Die Azteken waren es, die diesem geheimnisvollen Ort den Namen gaben: Teotihuacan, «der Ort, an dem man zu Gott wird». Gemäss der aztekischen Schöpfungsmythologie wurde hier die gegenwärtige Welt erschaffen.

Die Ausstellung präsentiert rund 450 Objekte aus Mexiko: farbenprächtige Wandmalereien, kostbare Tongefässe, aus Obsidian gefertigte Figuren, wunderbaren Schmuck und Steinskulpturen. Die für Teotihuacan so typischen Steinmasken müssen sehr lebendig gewirkt haben: sie waren bemalt und besassen reiche Einlagen aus kostbaren Steinen und Muscheln. Auch die Maske auf dem Titelbild des Ausstellungs-Flyers war ursprünglich vollkommen mit Türkisen beklebt. Mit roter Muschel sind der Nasenschmuck, die Augenbrauen und die Glyphe auf der Stirn betont. Die Maske wurde in einer Höhle an der Pazifikküste in Westmexiko gefunden. Vielleicht gelangte sie im Zuge der Handelstätigkeiten von Teotihuacan oder auch anlässlich eines Kriegszugs dorthin. Möglicherweise spielten solche Masken bei Bestattungsritualen eine Rolle.

Die Schau ermöglicht zudem einen ersten Blick auf kürzlich entdeckte, spektakuläre Funde wie die prachtvollen Opfergaben aus der Pyramide der Gefiederten Schlange und der Mondpyramide. Die Mondpyramide entstand in sieben Bauphasen, bei der das bestehende Gebäude jeweils mit einem grösseren Bau ummantelt wurde. Zu Beginn jeder dieser Vergrösserungen wurden wichtige Rituale gefeiert, in deren Verlauf Menschen geopfert und zusammen mit prächtigen Beigaben in der Pyramide bestattet wurden. In einem dieser Gräber fand sich unter anderem eine einzigartige menschliche Figur mit weit offenem Mund und Schmuck für Ohren und Hals: Ihr dunkler Körper besteht aus einem Holzkern, der mit mehreren Lagen Serpentin beklebt war; Mund, Zähne, Augen und Ohrscheiben bestehen aus andersfarbigen Steinen und Muscheln. Sie bildete ursprünglich das Zentrum von neun kreisförmig angeordneten, schlangenförmigen Figuren aus Obsidian.

Eine der eindrücklichsten Steinskulpturen begegnet uns im so genannten Jaguar von Xalla. Der Palastkomplex von Xalla liegt nördlich der Sonnenpyramide. Möglicherweise handelte es sich um eine der Residenzen der Herrscher von Teotihuacan. Der Komplex besteht aus 29 Gebäuden und 8 grossen Plätzen. Auf der Ostseite des zentralen Platzes erhob sich einst der Tempel des Regen- und Sturmgottes Tlaloc. Hier kam der monumentale, aus 12 Einzelteilen gearbeitete und prächtig bemalte Jaguar zum Vorschein. Der Jaguar von Xalla ist ein Symbol der Macht. Er steht aber auch für Krieg sowie für die Fruchtbarkeit der Erde, angedeutet durch die blumenverzierten seitlichen Elemente.

Trotz all diesem Wissen ist bislang erst ein winziger Bruchteil von Teotihuacan erforscht. So weiss man bis heute nicht, wer die Bewohnerinnen und Bewohner von Teotihuacan wirklich waren; wie nannten sie sich selbst und wie hiess ihre Stadt? Wer waren die Herrscher und wo residierten sie? Noch immer umweht ein Hauch des Rätselhaften diesen Ort.

 

Foto: Carstino Delmonte/ Touristikpresse.net (Archivfoto)







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