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Home News

Lufthansa holt TAP: 1,2 Milliarden Euro in bar geben den Ausschlag

Red.4 by Red.4
15. Oktober 2026
in News
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Foto: Carstino Delmonte

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Lufthansa hat das Rennen um die portugiesische Fluggesellschaft TAP gewonnen. Premierminister Luís Montenegro verkündete die Entscheidung am Mittwochnachmittag nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung in Lissabon. Für 1,2 Milliarden Euro übernimmt der deutsche Konzern 44,9 Prozent der Airline. Air France-KLM, der zweite große Bieter, geht leer aus.

Warum Lufthansa gewann

Am Ende dürfte das Geld entschieden haben, und zwar die Form, in der es fließt. Medienberichten zufolge will Lufthansa den kompletten Kaufpreis bar bezahlen. Air France-KLM wollte zumindest einen Teil mit Anteilen am eigenen Konzern begleichen. Für Lissabon war das offenbar die weniger attraktive Variante.

Dazu kamen weitere Punkte, die portugiesische Medien übereinstimmend nennen:

  • Die Finanzkraft der Lufthansa wurde als stärker eingestuft.
  • Die Gruppe sagte zu, sich für einen schnellen Bau des neuen Lissabonner Flughafens und für den Ausbau des bestehenden einzusetzen. Das deckt sich mit den Plänen der Regierung, die Kapazitäten dort zu erhöhen.

Beide Bieter hatten am 30. September nachgebessert und bindende Angebote vorgelegt.

Wer künftig was besitzt

Der portugiesische Staat bleibt zunächst mit 50,1 Prozent Mehrheitseigner. Die restlichen 5 Prozent sollen bei den TAP-Beschäftigten bleiben. Fertig ist der Deal damit noch lange nicht: Es stehen weitere Verhandlungen, Vertragsprüfungen und die Genehmigung der EU-Behörden an. Mit dem Abschluss rechnet man erst 2028.

Am Kapitalmarkt kam die Nachricht nicht gut an. Nachdem der portugiesische Sender SIC schon am Dienstagabend unter Berufung auf Insider über den bevorstehenden Zuschlag berichtet hatte, fiel die Lufthansa-Aktie zeitweise um 2,2 Prozent.

Ein Ringen über Jahre

Es ging zu wie immer. Zum Beispiel zuletzt bei Ita/Alitalia. Man eroiert, prüft, es geht hin und her. Von politischer Seite gibt es Fürsprecher und Gegner, die Politik wechselt, die Konditionen und die Fülle in der Geldbörse wechseln. Irgendwann ist der richtig eingeschätzte Moment da. Zuschlag. Lufthansa zeigte schon 2020 Interesse an Tap. Damals ging es um den Anteil von Atlantic Gateway, hinter dem der Portugiese Huberto Pedrosa und der US-Amerikaner David Neeleman standen. Die beiden hatten sich 2015 mit damals 45 Prozent an der 1945 gegründeten Airline beteiligt. Dann kam Corona. Die angeschlagene TAP musste komplett verstaatlicht werden, erst 2022 schrieb sie wieder schwarze Zahlen. Heute befördert sie rund 16 Millionen Passagiere im Jahr.

Auch die British-Airways-Mutter IAG (British Airways, Aer Lingus, Iberia, Vueling) interessierte sich zeitweise. Sie dürfte aber an den Kartellwächtern gescheitert sein: Brüssel hatte IAG schon Mitte 2024 die Übernahme der spanischen Air Europa aus Wettbewerbsgründen untersagt.

Worum es der Lufthansa wirklich geht

Besonders groß ist der portugiesische Markt nicht, aber das Transfer-Potential sehr wohl. Portugal ist nicht nur geographisch ein Sprungbrett nach Südamerika. Auch die kulturelle Verbundenheit hat Tradition. Alte Netzwerke und moderne Jets – das passt zusammen und bringt Profite. Mit TAP sichert sich Lufthansa einen neuen Partner, der sonst wahrscheinlich aus der Star-Alliance weggebrochen wäre. Bei einem Kauf durch Air France-KLM wäre die Portugiesin von der Star Alliance zum Konkurrentennetzwerk Skyteam gewechselt. Das hätte das Star-Alliance-Netz nach Südamerika, vor allem nach Brasilien, spürbar ausgedünnt.

Auf den Routen zwischen Europa und Lateinamerika ist die Allianz ohnehin schwach. 2022 stieg Delta bei der chilenisch-brasilianischen Latam ein, die daraufhin raus aus der Star-Alliance und zur Skyteam-Allianz wechselte. TAP hat über Lissabon genau die Brasilien-Verbindungen, die Lufthansa zu einem dichteren Netzwerk verhelfen können.

Einordnung: Lufthansas bisherige Zukäufe

TAP passt in ein Muster. Lufthansa wächst seit rund zwanzig Jahren vor allem durch Beteiligungen und Übernahmen.

  • Swiss (2005) und Austrian Airlines (2009) wurden in die Gruppe integriert. Beide gelten bis heute als Beispiele für eine funktionierende Übernahme mit weitgehend erhaltener Marke.
  • Brussels Airlines kam schrittweise dazu: erst eine Minderheitsbeteiligung, später die vollständige Kontrolle.
  • bmi (2009) war Hoffnungsträger, endete aber als Fehlschlag. Lufthansa verkaufte die britische Airline 2012 an IAG.
  • Air Berlin (2017): Nach der Insolvenz übernahm Lufthansa Teile, darunter Flugzeuge und Personal, aber nicht die ganze Gesellschaft.
  • ITA Airways: Lufthansa stieg 2025 nach mehrjährigem Hin- und Her mit 41 Prozent für rund 325 Millionen Euro bei der italienischen Nachfolgerin der Alitalia ein, mit der Option auf eine spätere Mehrheit. Auch hier ging es um Kapazität, Netz und die Verhinderung einer Alternative. 

Der Unterschied zu TAP: In Rom stieg Lufthansa bei einer teilprivatisierten Staatsairline ein, in Lissabon bei einer, die der Staat nach Corona selbst retten musste. Beide Male bleibt der Staat zunächst im Boot, und beide Male muss Brüssel zustimmen. Genau dort ist Lufthansa mit Air France-KLM und IAG im Wettbewerb um die wenigen verbliebenen Gelegenheiten in Europa.

Gegenwind aus der Belegschaft

Nicht alle in Portugal freuen sich über den Zuschlag. Die Pilotengewerkschaft Sindicato dos Pilotos da Aviação Civil (Spac) hatte sich schon im Vorfeld gegen Lufthansa gestellt. Der Konzern pflege „unethische gewerkschaftsfeindliche Praktiken“, lautet der Vorwurf. Kämen diese bei TAP zum Einsatz, gefährde das „den sozialen Frieden am Arbeitsplatz und die Effizienz des Drehkreuzes in Lissabon“, warnte die Spac. 

Als Belege nannte die Gewerkschaft die anhaltenden Arbeitskonflikte im deutschen Konzern, die jüngsten Streiks und die Kündigung der Vereinbarung über die Freistellung von Gewerkschaftsmitgliedern. Das ist keine Randnotiz. TAP ist nach der Zeit unter Staatsführung und den Sanierungsjahren sensibel, und ein Investor, der schon vor dem Einstieg Misstrauen in der Belegschaft weckt, startet mit einer Hypothek. 

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