Vom Kanzler-Airbus zum Parabelflugzeug


24 Apr 2015 [14:23h]     Bookmark and Share


Vom Kanzler-Airbus zum Parabelflugzeug

Vom Kanzler-Airbus zum Parabelflugzeug



DLR bei erster Kampagne des neuen A 310 ZERO-G mit an Bord

Köln – Er ist 16 Jahre jünger als sein Vorgänger, hat eine bewegte Geschichte und tritt ein beachtliches Erbe an: Der ehemalige „Kanzler-Airbus“ A310-304 VIP ist das neue, europaweit einzigartige Parabelflugzeug und soll – wie zuvor schon der A300 ZERO-G – ab dem 27. April 2015 für wissenschaftliche Experimente in Schwerelosigkeit abheben: Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nutzt das ehemalige deutsche Regierungsflugzeug für Forschung in Null „G“.

Der vom VIP- zum Forschungsflugzeug umgebaute Airbus (siehe Infobox 1) gehört seit Juni 2014 der französischen Firma Novespace mit Sitz in Bordeaux-Mérignac. Der Flughafen der südwestfranzösischen Metropole ist seit März auch das Zuhause des A310 ZERO-G – zuvor wurde er sechseinhalb Monate lang bei der Lufthansa Technik AG in Hamburg umfangreich umgebaut und neu zugelassen – als ziviles Flugzeug nach den Regeln der Europäischen Agentur für Luftsicherheit EASA.

Nachdem die Testflüge mit den Testpiloten und teilweise bis zu 50 Parabeln sowie die Trainings mit der speziell ausgebildeten Crew erfolgreich verlaufen sind, soll das neue Parabelflugzeug vom 27. April bis zum 8. Mai 2015 seine erste wissenschaftliche Kampagne absolvieren.

„Das ist eine Gemeinschaftskampagne des DLR, der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der französischen Raumfahrtagentur CNES“, berichtet Ulrike Friedrich, die seit 1999 das DLR-Parabelflugprogramm leitet. „Wir haben insgesamt zwölf Experimente an Bord, von denen acht aus Deutschland kommen – vier davon wurden von der ESA ausgewählt. In der ersten Woche bauen die Wissenschaftler ihre Experimente im Flugzeug auf und bereiten alles für den Einsatz vor, in der zweiten Woche – am 5., 6. und 7. Mai – sind drei Flugtage mit jeweils 31 Parabeln vorgesehen“, ergänzt die Programm-Managerin.

Das DLR arbeitet seit 1999 mit Novespace im Parabelflug-Programm zusammen: 15 Jahre lang nutzten deutsche Wissenschaftler und Ingenieure den Vorgänger-Airbus A300 ZERO-G, Baujahr 1973, für Experimente in Schwerelosigkeit. Doch nach 5200 Flügen, 4200 Flugstunden und 13.180 Parabeln hat sich das Spezialflugzeug am 31. Oktober 2014 aus dem Dienst der Wissenschaft in den „Ruhestand“ verabschiedet. Das DLR hatte 25 Forschungskampagnen mit mehr als 400 Experimenten mit dem A300 ZERO-G organisiert – um biologische, medizinische, physikalische und materialwissenschaftliche Fragen zu beantworten. Auch technologische Tests standen auf dem Programm: Experimentiereinrichtungen wurden für ihren Einsatz im Weltraum – zum Beispiel auf der Internationalen Raumstation ISS – erprobt.

„Je älter Flugzeuge sind, umso größer ist der Wartungsaufwand“, sagt DLR-Managerin Ulrike Friedrich. Irgendwann rechnet sich das nicht mehr. Das DLR habe deshalb gerne die Suche nach einem passenden „Nachfolger“ unterstützt: „Die Herausforderung war, ein bezahlbares und dennoch durch Starts und Landungen relativ wenig beanspruchtes Flugzeug zu finden. Denn beim Starten und Landen ist die Flugzeugstruktur den stärksten Belastungen ausgesetzt.“ Der A310-304 VIP „Konrad Adenauer“ der deutschen Bundesregierung, knapp 26 Jahre alt, hat diese Voraussetzungen bestmöglich erfüllt und wurde von Novespace für rund 2,5 Millionen Euro erworben.

Bis zum Erstflug im neuen Gewand hat die Lufthansa Technik AG in Hamburg rund 1350 Modifikationen erledigt. Besonders auffällig ist dabei die rund 100 Quadratmeter große, rundherum mit weißen Kunstledermatten ausgekleidete, fensterlose Experimentierzone in der Mitte des Flugzeugs. Von schwarzen Netzen begrenzt – damit nichts und niemand während der rund 22 Sekunden andauernden Schwerelosigkeitsphasen hinausschwebt, mit Haltegriffen und besonderen Licht- und Bodenleisten ausgestattet, befindet sich hier das Zentrum für die Wissenschaft.

Die Schaltzentrale ist wie in jedem Flugzeug im Cockpit – auch hier mit Sonderausstattung: einem Beschleunigungsmesser – dem so genannten „G“-Instrument – und einem System, um die Parabeln besonders genau zu fliegen. Ulrike Friedrich: „An jedem Flugtag sind vier Piloten an Bord. Drei sitzen im Cockpit, einer hat solange ´dienstfrei‘, bis gewechselt wird – der Einsatzplan wird täglich flexibel festgelegt – mal ist ein Wechsel nach der 5., mal nach der 10. Parabel.“ Während einer Parabel steuert der erste Pilot die Bewegungen in der Längsachse, der zweite die Querachse des Flugzeugs, der dritte den Schub der Turbinen, also die Vorwärtsbewegung der Maschine.







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