EasyJet testet Detektor zum Aufspüren von Aschewolken


13 Mai 2013 [10:39h]     Bookmark and Share


EasyJet testet Detektor zum Aufspüren von Aschewolken

EasyJet testet Detektor zum Aufspüren von Aschewolken



Für Probelauf der AVOID-Technologie wird Vulkanasche aus Island verwendet

Berlin – Ein einzigartiges Experiment von easyJet und seinen Partnern Airbus und Nicarnica geht in die finale Phase: Die AVOID-Technologie, mit deren Hilfe künftig Aschewolken erkannt und umflogen werden sollen, wird in diesem Sommer final getestet. Anfang Mai hat easyJet eine Tonne Vulkanasche aus Island nach Großbritannien gebracht. Dort lagert sie im Hangar der Fluglinie in Luton. Die Asche wurde zuvor vom Institute of Earth Sciences in Reykjavik gesammelt und anschließend getrocknet, damit sie die Konsistenz von feinem Talk erhält.

Das Experiment wird vermutlich im August durchgeführt. Es findet statt, wenn die Satelliten Seviri und Calypso so positioniert sind, dass sie die Aschewolke aus dem All abbilden können. Nur dann lässt sich die Genauigkeit und Effektivität der AVOID-Technologie überprüfen. Ein Airbus-Testflugzeug wird die Asche in der Atmosphäre verteilen und so eine künstliche Aschewolke für ein weiteres Testflugzeug herstellen. Dieses ist mit der AVOID-Technologie ausgestattet. Der genaue Ort des Testlaufs steht noch nicht fest, die Wahl ist abhängig von den Wetterbedingungen.

Aschewolke in sicherem Abstand umfliegen
AVOID wurde mit dem Ziel entwickelt, Asche in einer Flughöhe von mehr als 30.000 Fuß (9.000 Metern) zu erkennen und zu umfliegen. Dr. Fred Prata, Chief Technology Officer bei Nicarnia Aviation und Erfinder der AVOID-Technologie, sagt: „Nach dem Experiment werden wir genau wissen, wie viel Asche wir in der Atmosphäre platziert haben, wie hoch ihre Konzentration ist und wie die Zusammensetzung aussieht. AVOID wird all das messen und die Funktionsweise der Technologie demonstrieren.“

„Da die Gefahr durch isländische Vulkane fortbesteht, ist es sehr wichtig, dass die Freigabe der AVOID-Technologie bald erfolgt“, sagt Ian Davis, Engineering Director easyJet. „Nur so lassen sich Vorfälle wie im Frühling 2010, als der gesamte Flugverkehr für mehrere Tage eingestellt werden musste, vermeiden.“

System funktioniert wie ein Wetterradar
AVOID ist die Abkürzung für „Airborne Volcanic Object Imaging Detector“. Das AVOID-System funktioniert wie ein Wetterradar für Asche. Das von Dr. Fred Prata entwickelte System basiert auf einer Infrarot-Technologie des US-Militärs, die ans Flugzeug angepasst wurde, um Piloten und Kontrollzentren mit Bildern zu versorgen. Anhand der Bilder können Piloten eine Aschewolke aus bis zu 100 Kilometer Entfernung und auf Flughöhen von 5.000 bis 50.000 Fuß (1.500 bis 15.000 Metern) sehen. Mit kleinen Änderungen der Flugroute lassen sich Aschewolken umgehen.

Am Boden können die Informationen der mit der AVOID-Technologie ausgestatteten Flugzeuge dazu genutzt werden, sich ein präzises Bild der Aschewolke durch Echtzeitdaten zu machen. Würden ohne die Bilder bei einem Ausbruch weite Bereiche des Luftraums gesperrt, können sie mit AVOID weiter genutzt werden. Die geringere Anzahl an Unterbrechungen im Flugverkehr kommt den Passagieren zugute.

AVOID im flächendeckenden Einsatz
Ende 2011 wurde AVOID bereits erfolgreich über den Vulkanen Ätna und Stromboli getestet. Am Ende der Testphase und eines EASA-Zertifizierungsprozesses wird das AVOID-System bereit sein, in Massenproduktion zu gehen. easyJet geht davon aus, dass bei einer Ausrüstung von 100 Flugzeugen in ganz Europa (20 davon von easyJet) eine Abdeckung des Kontinents zu erreichen ist. Dadurch wäre es Fluggesellschaften möglich, Behörden Überwachungsdaten zur Verfügung zu stellen, um die neuen Prozesse und Abläufe zu unterstützen, die nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull eingeführt wurden. Diese Informationen würden allen Airlines ermöglichen, weiterhin sicher zu fliegen.

Videomaterial und Interviews zu vorherigen Tests können heruntergeladen werden unter:
http://www.digitalnewsagency.com/stories/5457-easyjet-trial-ash-cloud-detector

Anmerkungen:

Ian Davies – Technical Director und Head of Engineering easyJet
Als Technical Director und Head of Engineering easyJet ist Ian Davies verantwortlich für die Flugtüchtigkeit aller 204 easyJet Flugzeuge der Airbus-A320-Familie. Er leitet ein Team von mehr als 250 Supportmanagern und Ingenieuren, die dafür sorgen, dass die Flugzeuge von easyJet immer den sichersten und höchsten Wartungsstandards entsprechen.

Davies wurde während des ersten Vulkanausbruchs auf Island auf die Arbeit von Dr. Fred Prata aufmerksam. Er überzeugte Prata davon, mit easyJet zusammenzuarbeiten, um eine Technologie zu entwickeln, die auf easyJet Flugzeuge und die gesamte kommerzielle Luftfahrt angewendet werden kann.

Seit Beginn seiner Mitarbeit gilt Davies als Branchenexperte rund um die Themen Vulkanasche und deren Auswirkung auf Flugzeuge. Vor Kurzem schloss er sich zudem einem europäischen Team von wissenschaftlichen Experten-Forschungsagenturen an. Hier testet er die Auswirkungen von Vulkanasche auf die Bestandteile von Turbinenmotoren. Dies soll brauchbare Belege für die Asche-Toleranzwerte von Turbinenmotoren liefern und das Wissen darüber erweitern, wie man in einem mit Asche belasteten Luftraum sicher fliegt.

Ian Davies ist ein staatlich anerkannter Flugzeugingenieur mit über 35 Jahren Erfahrung in der zivilen Luftfahrt und arbeitet seit fast vier Jahren für easyJet. Davor war Davies sieben Jahre lang Director of Engineering bei British Midland Airways (bmi).

Dr. Fred Prata – Nicarnica Aviation
Dr. Fred Prata ist Chief Technology Officer bei Nicarnica Aviation, einem Ableger des Norwegischen Instituts für Luftforschung NILU. Nicarnica Aviation AS wurde speziell dafür aufgestellt, Infrarottechnologie für die Erkennung von Vulkanasche und anderen Gefahrenquellen für die Luftfahrtindustrie zu entwickeln und zu kommerzialisieren.

Als Auszeichnung für ihre Arbeit an AVOID wurden Ian Davies und Dr. Fred Prata 2012 vom Unternehmen Flightglobal zu „Aviators of the Year“ ernannt. Die Auszeichnung wird jährlich an Menschen vergeben, die maßgeblich dazu beigetragen haben, die Sicherheit und den Betrieb in der Luftfahrt zu verbessern.

Foto: Carstino Delmonte







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