René Lalique: Außergewöhnlicher Schmuck für Diven wie Sarah Bernard


12 Mrz 2007 [09:52h]     Bookmark and Share


René Lalique: Außergewöhnlicher Schmuck für Diven wie Sarah Bernard

René Lalique: Außergewöhnlicher Schmuck für Diven wie Sarah Bernard



Vom 7. März bis 29. Juli 2007 im Pariser Musée du Luxembourg

von Petra Sparrer – Rene Lalique? Der klingende Name erinnert an einen beruehmten Pariser Glaskuenstler mit einem Luxusgeschaeft an der Place Vendome und einem Atelier in der Rue de la Reine (heute Cours Albert I). Mit seinen Werken im Art-Deco-Stil belieferte er Aristokraten und Politiker von Lissabon ueber Russland und die USA bis nach Japan. Und ganz gewiss steht er fuer das Paris der guten alten Zeit, der Weltausstellungen um die Jahrhundertwende, der Droschken, Landauer und Vierspaenner auf den Hausmann´schen Boulevards, fuer franzoesischen Esprit und die Belle Epoque. Lalique gestaltete den Brunnen auf dem Rond Point der Champs Elysees, wirkte am Interieur des Orient-Express mit, beeinflusste die Gestaltung groSSer Ozeanpassagierschiffe wie der Ile de France oder der Normandie und designte Kuehlerfiguren fuer Citroen, Bentley, Bugatti, Rolls-Royce etc.

Doch wer kennt ihn schon als den „Erfinder des modernen Schmucks“? So nannte der zeitgenoessische Glaskuenstler Emile Galle den jungen Lalique. Meinte er damit gar Modeschmuck? Laliques eigenwillige und zeitgeistige Kreationen nahmen den floralen Touch des urbanen Pariser Eisenschmucks an Balkonen und Metroeingaengen wieder auf. Infiziert von der Idee des Gesamtkunstwerks, strebt er nach einer ideellen und materiellen Verbindung zwischen Flora und Fauna, Stadt, zeitgenoessischen Stroemungen in Kunst und Philosophie und der Juwelierskunst. So geriet er der junge Lalique ins Kreuzfeuer der Kritik und es hieSS, sein Schmuck sei zu groSS, zu schwer, zu aggressiv und gar pornografisch. Jedenfalls provozierte, empoerte und faszinierte er gleichermaSSen und – vor allem – er verkaufte sich an die Schoenen und Reichen in aller Welt.

Wie eine Schmuckschatulle aus schwarzem Velours
„Seine innovativ voranstuermende Kreativitaet war genau das richtige fuer akzeptierte Diven wie Sarah Bernard oder Colette“, sagt Yvonne Brunhammer, die ehrenamtliche Hauptkuratorin des Musee du Luxembourg. Hier kann man vom 7. Maerz bis zum 29. Juni rund 300 originale Zeichnungen und Schmuckkreationen von Rene Lalique bewundern. Die Ausstellung des Pariser Senats konzentriert sich auf die Anfangsjahre des Kuenstlers und seine Werke von 1890 bis zum Jahr 1912, also die Zeit, bevor Lalique sich der Glaskunst zuwandte. Wie eine Schmuckschatulle aus schwarzem Velours wirkt der verdunkelte Saal im Musee du Luxembourg. Beleuchtung wird sparsam und gezielt eingesetzt fuer die spektakulaere Werkschau, zusammengetragen aus internationalen Privatsammlungen und Museen wie dem Calouste Gulbenkian in Lissabon, dem Metropolitan of Modern Art in New York, dem Lalique-Museum im japanischen Hakone und den Pariser Museen Lalique, Gustave Moreau, Cernushi und Arts decoratifs.

Zu Recht heiSSt die Ausstellung „Bijoux d´Exception“– auSSergewoehnlicher Schmuck. „Ich kannte niemanden, der Entwuerfe fuer Schmuck zeichnet und hier ist endlich der erste“, lobte ihn Alphonse Fouquet, eine Koryphaee unter den Pariser Schmuckherstellern, der Laliques Zeichnungen 1884 bei einer Ausstellung im Louvre sah. Da war Rene Lalique erst 24 Jahre alt. Und er lieferte bereits Entwuerfe an bekannte Pariser Juweliere wie Cartier und Vever et Boucheron. Mit 25 eroeffnete er sein erstes Atelier und mit 30 – bereits Familienvater –  zog er in die Rue Therese (Nr. 20) um und beschaeftigte 30 Mitarbeiter. Im selben Jahr –  1890 – begegnete er Augustine-Alice Ledru, dessen Vater und Bruder in der Werkstatt des Bildhauers Rodin arbeiteten. Alice wird seine zweite Frau, Mutter zweier weiterer Kinder und vor allem seine Muse.

Extravagantes auf der Suche nach dem Wesen der Frau
Mit seinen Zeichnungen und Kreationen versuchte Lalique, sich dem faszinierenden Wesen der Frau anzunaehern. Er muss Frauen fuer unberechenbare, keineswegs ungefaehrliche und auf jeden Fall irgendwie befluegelte Wesen gehalten haben: Neben Schlangen, Drachen, Pfauen, Schwaenen und Voegeln, zaehlen Wespen, Libellen, Skarabaeen und Fledermaeuse zu seinen haeufig wiederkehrenden Motiven. Cattleyen und Orchideen aus dem fernen Japan faszinierten ihn, seinerzeit in Europa noch absolut modische Neuheiten. Als Zierde fuer extravagante Hutnadeln, die eng am Hals anliegenden sogenannten Hundehalsbaender, Ketten, Colliers und Stirndiademe wurden all diese Motive zum letzten modischen Schrei in feinster handwerklicher Ausfuehrung.

Die Namen seiner Schmuckstuecke wie „Femmes-Insectes“ (Insektenfrauen) und die – unheilbringenden –  „Cygnes Noirs“ (schwarze Schwaene) veranschaulichen den Einfluss der kuenstlerischen Stroemung des Symbolismus. WeiSSe Schwaene symbolisierten mehr oder weniger dezent die weibliche Nacktheit. Pflanzen und Tiere dienten als Vorbilder fuer Darstellungen tabuisierter physischer Details oder Wuensche. Und da Lalique den Frauen an Hutnadeln Schlangen und Wespen ins Haar setzte oder ihnen Insekten munter ins Dekollete krabbeln lieSS, sorgte der letzte Schrei auch fuer manchen empoerten Aufschrei.

Trug Sarah Bernard den ersten Modeschmuck?
Als einer der ersten Designer verwendete Lalique moderne, „billige“ Materialien wie Perlen, Amethyst, Opal, Lapislazuli, Halbedelsteine, Horn, Elfenbein und Glas, also nicht mehr nur Gold und konservative Edelsteine. Auch diese Innovation spaltete die Geister. Colette schwaermte, was Lalique beruehre, veraendere sich auf wunderbare Weise und nannte ihn den „Rodin des transparences“. Sie fand ihn also doch nicht grob und aggressiv, sondern einen Kuenstler des Durchsichtigen, Leichten, wie es z.B. auch Libellenfluegel haben. Calouste Sarkis Gulbenkian, einer der ersten OElbarone im Mittleren Orient, sammelte Laliques Schmuck begeistert. Er verschenkte ihn aber nicht an Frauen, sondern stellte ihn in Vitrinen und sah ihn sich immer wieder an. Die Nachwelt verdankt ihm die groeSSte Lalique-Sammlung im Gulbenkian Museum in Lissabon.

Eine besondere Frau, die Laliques gewagten Schmuck trug, war seine spezielle Freundin, die Kameliendame Sarah Bernard. Fuer ihre komischen und tragischen Rollen konzipierte er fantasievollen Buehnenschmuck. Zum Beispiel den Kopfschmuck aus Perlen und metallischen Blueten fuer ihre Rolle der Melissande in dem Stueck „La Princesse lointaine“ von Edmond Rostand und die Juwelen fuer „Gismonda“ von Victorien Sardou. Er verehrte die von Jean Coctau als „monstre sacre“ (heiliges Monster) bezeichnete Schauspielerin so sehr, dass er ihr eine voluminoese Brosche aus Gold, Emaille und Smaragden widmete: Die golden eingefasste Widmung lautet: A Sarah Bernard La Gloire de L´Art Francais Decembre 1886“. Die Diva trug seine Halsketten und Colliers und zeigte sich privat auch schon mal oeffentlich mit seinem Fledermaushut auf dem Kopf, war also ganz Fee und Sirene, eine mysterioese Personifikation seines Frauenbilds. 1902 zeichnete Lalique auch das Cover des Programms fuer das Stueck „Theodora“, aufgefuehrt im Theatre Sarah Bernard. 

Schauer der Schoenheit einer neuen Schmuckaesthetik
Puristen seiner Zeit trieb Laliques neue Schmuckaesthetik den Schauer einer Gaensehaut auf den Ruecken. SchlieSSlich beauftragte der Parfuemier Francois Coty den Kuenstler 1908, ihm eine Parfuemflaeschchen zu gestalten: das erste, dass teurer war als sein Inhalt. Bald nach dem Tod seiner Ehefrau und Muse Alice im Jahr 1910 wandte sich Lalique allmaehlich von der Schmuckproduktion ab und entwickelte sich zu dem beruehmten Glaskuenstler. Ein voller Erfolg war sein Schmuck allemal: „Die meisten Stuecke“, schaetzt Yvonne Brunhammer, die ehrenamtliche Hauptkuratorin der Ausstellung, „sind heute wohl um die zwei Millionen Euro wert.“

Egal ob man sie nun schoen findet oder selbst gern getragen haette, eines ist die Ausstellung tatsaechlich – exceptionelle. Die einzigartige Gelegenheit, ihn sich in dieser Zusammenstellung anzusehen, sollte man nicht verpassen. Thalys bietet einen Sondertarif inklusive Eintrittskarten, was einem die Wartezeit vor dem vor allem an Wochenenden gut besuchten Museum erspart.

Zum Trost. Die letzte Gelegenheit, Lalique neu zu entdecken, ist es nicht: Im Jahr 2008 eroeffnet im Elsass in Wingen sur Moder (Bas Rhin), wo Lalique vor dem Ersten Weltkrieg eine Produktionsstaette eroeffnete, das neue Musee de l´Imaginaire Lalique. 

Praktische Hinweise:

Sondertarif inklusive Eintritt von Thalys: Hin- und Rueckfahrt 1. Klasse von Koeln aus plus Eintrittskarte fuer die Ausstellung 120 Euro. Mit dieser Eintrittskarte (fuer 10 statt 13 Euro) muss man nicht in der Schlange vor dem Museum warten. www.thalys.de







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